Normen sparen Geld – Wie das DIN Handwerkern den Rücken stärkt

Handwerk, Normen und Baukosten: Was Chefs wissen müssen

  • Normen im Handwerk: Wie du mit Standards Kosten senkst und Ärger vermeidest
  • Bau-Normen clever nutzen: So schützt du deinen Betrieb vor teuren Fehlern
  • Normen, Kosten, Flexibilität: Was Handwerkschefs jetzt über DIN & Co. wissen sollten

Normen richtig nutzen im Handwerk
Wie viel Flexibilität ist wirklich möglich – und wo lohnt sich der Aufwand?

Normen sind im Handwerk allgegenwärtig – und oft ein Reizthema. Sie sollen Sicherheit schaffen, Abläufe vereinfachen und Fehler vermeiden. Doch viele Chefs erleben sie als Kostentreiber und bürokratische Hürde. Gerade wenn der Betrieb wächst und die Projekte komplexer werden, stellt sich die Frage: Wie viel Flexibilität lassen Normen wirklich zu? Und wie kannst du sie so einsetzen, dass sie dir und deinem Team das Leben leichter machen, statt dich auszubremsen? In diesem Artikel erfährst du, wie Normen entstehen, wie du Einfluss nehmen kannst und warum ein kluger Umgang mit Standards bares Geld spart. Außerdem beleuchten wir, wie du trotz Normen individuelle Lösungen findest und worauf du bei Verträgen und Haftung achten solltest.

1. Normen als Werkzeug – nicht als Zwang

Viele Handwerksunternehmer empfinden Normen als starres Korsett. Dabei sind sie in erster Linie ein Werkzeug, das dir hilft, Fehler zu vermeiden und Abläufe zu standardisieren. Normen sind in Deutschland grundsätzlich freiwillig anzuwenden – sie werden erst dann verbindlich, wenn sie im Vertrag oder durch Gesetze festgelegt werden. Das gibt dir mehr Spielraum, als oft angenommen wird. Nutze Normen gezielt, um Qualität und Sicherheit zu gewährleisten, aber prüfe immer, ob sie wirklich auf deinen konkreten Fall passen. So kannst du flexibel bleiben und trotzdem auf der sicheren Seite stehen.

Norm ist dann wirklich gut, wenn wir sie in unserem Alltag gar nicht bemerken. Wenn die Dinge einfach funktionieren, wenn die Dinge zueinander passen.

Daniel Schmidt

2. Wie entstehen Normen – und wer entscheidet?

Normen werden nicht von Einzelnen im stillen Kämmerlein festgelegt. Sie entstehen in Ausschüssen, in denen Vertreter aus Handwerk, Industrie, Behörden, Wissenschaft und Verbraucherschutz zusammenkommen. Jeder, der ein Interesse hat, kann sich beteiligen – entweder direkt im Gremium oder über öffentliche Einspruchsverfahren. Entscheidungen werden im Konsens getroffen, sodass möglichst viele Perspektiven einfließen. Für dich als Handwerkschef heißt das: Über deine Verbände kannst du aktiv Einfluss nehmen und dafür sorgen, dass die Praxis im Betrieb nicht zu kurz kommt.

Unser Job ist es, als Schiedsrichter dafür zu sorgen, dass alle interessierten Kreise tatsächlich auch im Normungsgremium vertreten sind.

Daniel Schmidt

3. Lobbyismus und Ausgewogenheit: Wer setzt sich durch?

Ein häufiger Vorwurf: Große Hersteller oder Lobbygruppen könnten Normen zu ihren Gunsten beeinflussen. Tatsächlich wird bei der Besetzung der Gremien auf Ausgewogenheit geachtet. Kein Gremium kann starten, wenn nicht alle relevanten Gruppen vertreten sind. Besonders das Handwerk ist über seine Verbände stark eingebunden. So wird verhindert, dass Einzelinteressen dominieren. Transparenzinitiativen sorgen dafür, dass die Zusammensetzung der Gremien öffentlich einsehbar ist – ein wichtiger Schritt, um Vertrauen in die Normungsarbeit zu schaffen.

Es ist von vornherein sichergestellt, dass alle tatsächlich auch dabei sind. Und dass das so ist, darüber berichten wir jetzt im Rahmen einer Transparenzinitiative.

Daniel Schmidt

4. Flexibilität statt Einheitsbrei: Normen intelligent anwenden

Normen geben einen Standardfall vor – sie beschreiben, wie etwas gemacht werden kann, nicht wie es gemacht werden muss. Gerade bei Sanierungen oder Sonderfällen ist es wichtig, Normen als Orientierung zu nutzen und sie an die Gegebenheiten vor Ort anzupassen. Das erfordert Fachwissen und manchmal auch Mut zur individuellen Lösung. Wichtig ist, dass du Abweichungen von der Norm sauber dokumentierst und im Vertrag festhältst. So schützt du dich vor Haftungsrisiken und kannst trotzdem kreative, wirtschaftliche Lösungen umsetzen.

Eine Norm beschreibt immer einen ganz bestimmten Sachverhalt und sagt, wie ich etwas umsetzen kann. Eine Norm sagt nie, was ich umsetzen muss.

Daniel Schmidt

5. Kosten im Blick: Wie Normen wirklich auf den Geldbeutel wirken

Normen werden oft als Kostentreiber gesehen. Studien zeigen aber, dass sie Fehlerkosten massiv senken können, wenn sie richtig angewendet werden. Die größten Preistreiber am Bau sind meist Rohstoffpreise, Energie und gesellschaftliche Ansprüche – nicht die Normen selbst. Bei neuen oder überarbeiteten Normen wird inzwischen systematisch geprüft, welche Auswirkungen sie auf die Baukosten haben. So soll verhindert werden, dass technische Perfektion auf Kosten der Wirtschaftlichkeit geht. Für dich heißt das: Normen helfen dir, teure Fehler zu vermeiden – und mit kluger Anwendung kannst du sogar sparen.

Normen, wenn sie richtig angewendet sind, können Baukosten senken. Fehlerkosten werden massiv gesenkt.

Daniel Schmidt

6. Praxisbeispiel Hamburg-Standard: Wo wirklich gespart wird

Die Diskussion um den Hamburg-Standard zeigt: Nur ein kleiner Teil der Baukosten lässt sich direkt auf Normen zurückführen. Viel größere Hebel liegen in der Planung, bei Komfort- und Ausstattungsmerkmalen oder bei Vorgaben wie Tiefgaragen und Aufzügen. Normen machen nur einen Bruchteil der Einsparungen aus. Wer günstiger bauen will, sollte daher nicht nur auf die Normen schimpfen, sondern auch andere Stellschrauben prüfen – von der Vertragsgestaltung bis zur Reduktion von Sonderwünschen.

Ungefähr vier Prozent von den Einsparungen können tatsächlich auf technische Regelung, auf die Normen, die einen Einfluss auf Baukosten tatsächlich haben, zurückgeführt werden.

Daniel Schmidt

Fazit: Normen als Chance – nicht als Hindernis

Normen sind kein Selbstzweck und kein Klotz am Bein. Sie helfen dir, Fehler zu vermeiden, Abläufe zu vereinfachen und Haftungsrisiken zu minimieren. Richtig eingesetzt, bieten sie dir Flexibilität und sparen sogar Kosten. Entscheidend ist, dass du Normen als Werkzeug verstehst – und sie bewusst und intelligent einsetzt. Prüfe, was wirklich passt, dokumentiere Abweichungen und nutze die Möglichkeiten zur Mitgestaltung. So bleibst du flexibel und sicher zugleich.
Hör dir die Podcast-Episode mit Daniel Schmidt an und teile sie gern, wenn du Impulse für deinen Betrieb mitnehmen konntest!

Mein Tipp: Nutze die Möglichkeiten, dich über deinen Verband oder direkt in Normungsgremien einzubringen. So kannst du aktiv mitgestalten, dass Normen praxisnah bleiben und die Interessen des Handwerks vertreten werden.

Daniel Schmidt

Take Aways aus der Folge:

  • Normen sind ein freiwilliges Werkzeug – sie bieten Sicherheit, ohne Flexibilität zu verhindern.
  • Jeder kann über Verbände oder Einspruchsverfahren Einfluss auf Normen nehmen.
  • Die Gremien sind ausgewogen besetzt, sodass keine Einzelinteressen dominieren.
  • Normen helfen, Fehler und Haftungsrisiken zu vermeiden, wenn sie richtig angewendet werden.
  • Die größten Kostentreiber am Bau sind meist nicht die Normen, sondern andere Faktoren wie Rohstoffpreise und Komfortwünsche.
  • Mit kluger Vertragsgestaltung und Dokumentation kannst du auch bei individuellen Lösungen sicher bleiben.
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