Ein Mitarbeitergespräch im Handwerk läuft oft nach dem gleichen Muster: Du sammelst, was schiefgelaufen ist, und gehst die Liste durch. Danach weiß dein Mitarbeiter, was er falsch gemacht hat. Besser wird dadurch selten etwas. Ruben Kaltenbach, kaufmännischer Geschäftsführer bei Kempf im Schwarzwald und zertifizierter Stärkencoach, macht es andersherum. Er fängt bei den Stärken an. In diesem Artikel erfährst du, wie stärkenorientierte Mitarbeiterführung im Handwerk konkret aussieht, warum auch dein Betrieb als Ganzes Stärken hat und was das mit Kommunikationsregeln und Automatisierung zu tun hat.
Ruben hatte gerade so ein Gespräch. Statt aufzuzählen, was nicht klappt, macht er zuerst sichtbar, was die Mitarbeiterin im Alltag gut kann. Erst dann geht es um die Themen, an denen sie arbeiten will. Und auch die erklärt er über ihre Stärken: Warum passieren bestimmte Dinge? Welche Stärke kannst du einsetzen, um es besser zu machen? Was brauchst du dafür? Das Ergebnis: Sie ging mit einem Lächeln raus und nicht mit dem Gefühl, einen vom Chef verpasst bekommen zu haben.
Das wirkt nicht nur im Gespräch. In Rubens Stärkenimpuls zeigt er Handwerkern ihre Stärken auf, und oft heißt es dann: „Aber das ist doch normal.“ Nein, das ist deine Stärke. Wer das einmal erkannt hat, geht spürbar gestärkt aus der Sache raus.
Das Stärkenkonzept ist ja nicht, dass man jemand an die Wand drückt und sagt, du kannst das alles nicht, sondern es ist da, mit den Stärken zu arbeiten. Ruben Kaltenbach
Wenn im Handwerk über Stärkencoaching gesprochen wird, kommt schnell die Frage, ob das nicht etwas „Spirituelles“ sei. Ist es nicht. Beim Stärkenradar beantwortest du Fragen, heraus kommen deine acht wichtigsten von insgesamt 24 Stärken. Achim hat das selbst gemacht. Eine seiner Stärken ist Leichtigkeit. Ruben hat sie ihm so erklärt: Du springst ohne Fallschirm aus dem Flugzeug, in der Gewissheit, dass unten schon eine Rutsche oder ein Sprungtuch wartet, weil du dir die Welt beim Fallen so baust. Genau deshalb stellt sich Achim vor 1000 Schüler und hält einen Vortrag, den er so noch nie gehalten hat.
Jede Stärke hat auch ihre Schattenseite. Leichtigkeit wird schnell als „nimmt alles auf die leichte Schulter“ gelesen. Wer das weiß, kann im Team ganz anders damit umgehen. Für Führung heißt das: Du siehst, wo jemand ohne Anstrengung Leistung bringt, und gibst ihm dort mehr Verantwortung.
Ein Tipp aus der Praxis: Kläre vor dem Stärkenradar kurz, in welcher Rolle und in welchem Umfeld jemand die Fragen beantworten soll. Ein Mitarbeiter von Achim hat es ohne diesen Rahmen gemacht und erkannte sich im Ergebnis nicht wieder. Und Ruben erzählt von einer Reinigungskraft, die erst überlegte, welche Antwort für ihre Rolle „gut“ wäre. Es geht aber darum, wer du bist, nicht darum, wer du sein solltest. Intuitiv antworten, im richtigen Kontext.
Stärken gibt es nicht nur bei einzelnen Menschen. Auch ein Unternehmen als Ganzes hat ein Stärkenprofil, aus dem Team, aber auch aus der eigenen Geschichte. Manche Betriebe sind in eine Richtung gestolpert, weil ein Auftraggeber mal etwas wollte. Und dann kämpfen sie sich Woche für Woche durch Arbeit, die ihnen gar nicht liegt.
Achim hat das in einer SHK-Erfa-Gruppe gemerkt. Er hat acht Betriebe gefragt, was sie gern machen, und bekam sieben verschiedene Antworten. Beim Workshop „Mit Dokumentation Geld verdienen“ zeigte sich das ganz praktisch: Der eine kann seine Dokumentation als Pauschale abrechnen. Der andere sagt, das passt nicht zu seinen Werten. Beide haben recht. Bei Kempf zum Beispiel haben viele Monteure Expertise und Verantwortung als Stärke, unterm Strich heißt das Qualität. Saubere Bilder und eine saubere Dokumentation zahlen dort direkt auf das Qualitätsziel ein. Ein Betrieb, dessen Büro-Team vor allem über Vertrauen arbeitet, wird die gleiche Idee eher über das Gespräch mit dem Kunden umsetzen: den Wert der Dokumentation erklären, statt eine Position aufs Angebot zu schreiben.
In derselben Erfa-Gruppe hat Achim eine einfache Frage gestellt.
Wer von euch hat denn das Thema mit den Kommunikationsregeln in seinem Unternehmen gefühlt gut gelöst? Keiner. Und ich sagte, wer möchte das denn? Alle. Achim Maisenbacher
Dann haben sie das Plakat „Regeln für glasklare Kommunikation“ aus einer früheren Folge mit Ruben gemeinsam durchgesprochen. Das Feedback beim Mittagessen: Kommunikation und Dokumentation gehören zusammen, das eine geht nicht ohne das andere. Und: Jeder fand das Plakat gut, aber jeder wird es für seinen Betrieb anpassen.
Der Weg dahin hat zwei Schritte. Das Kommunikations-Audit dauert etwa fünf Minuten und zeigt ehrlich, wo es hakt. Achim sagt selbst, dass es einen erst mal ins Tal der Tränen schickt. Das Plakat ist die Antwort darauf: ein paar Faustregeln, auf die ihr euch als Team einigt. Probier dabei Achims Vorschlag an Ruben aus: Mach das Audit für heute und überleg dann, wie es vor vier Jahren ausgefallen wäre. So siehst du, was sich schon verändert hat.
„Was soll ich im Handwerk denn bitte automatisieren? Jeder Auftrag ist anders.“ Diesen Einwand hört Achim oft. Rubens Antwort: Gute Projektabwicklung ist systematisch, sonst bekommst du nicht immer die gleiche Qualität. Wiederkehrende Abläufe gibt es überall. Wo landet die Eingangsrechnung? Wo kommen die Baustellenfotos hin? Wie bekommt der Monteur seine Zeichnung, wo landet das Bautagebuch?
Ein guter Startpunkt ist dein Kalender. Viele tragen sich Termine mit sich selbst ein, nur damit sie an eine Aufgabe denken: Weihnachtsfeier planen, Arbeitsunterweisung, Führerscheinkontrolle, Lager aufräumen. Ein Kalendereintrag ist im Prinzip ein Trigger, genau wie der Post-it am Monitor. Ruben geht diese Einträge bei seinem „Kalenderscan“ mit Handwerks-Chefs durch und sortiert sie mit der Eisenhower-Matrix: Was wichtig und dringend ist, machst du selbst. Was nicht dringend ist, wird automatisiert oder delegiert.
Die gleiche Matrix hilft beim Thema Eskalation. Kennst du den Mitarbeiter, der eine WhatsApp schickt und zehn Sekunden später anruft, um über genau diese Nachricht zu sprechen? Besprich die Eisenhower-Matrix einmal mit Büro und Baustelle und leite gemeinsam ab, wer wann was eskalieren darf. Eine Vorlage dafür sind die 10 Stufen der Eskalation im Members-Bereich. Das spart dir mehr Unterbrechungen als jedes neue Tool.
Mitarbeiterführung im Handwerk wird leichter, wenn du nicht bei den Fehlern anfängst, sondern bei dem, was jemand gut kann. Das gilt für das nächste Mitarbeitergespräch, für die Ausrichtung deines Betriebs und für die Regeln, nach denen ihr miteinander redet. Fang klein an: ein Gespräch, ein Audit, eine Runde über die Eisenhower-Matrix. Im Podcast erzählen Ruben Kaltenbach und Achim noch mehr Beispiele aus ihrer Woche.
Hör dir jetzt die Podcast-Episode mit Ruben Kaltenbach an und teile sie, wenn sie dir gefallen hat!
Bereite dein nächstes Mitarbeitergespräch mit drei Fragen vor: Was kann er gut? Welche Stärke kann er für sein Entwicklungsthema einsetzen? Was braucht er dafür von dir?
Kommunikations-Audit, das Plakat mit Vorlage, die 10 Stufen der Eskalation und Rubens Stärken-Angebote findest du gesammelt im Bauimpulse Members-Bereich. Mehr zum Thema Kommunikation mit Ruben: Kommunikation im Handwerksbetrieb: 7 Punkte gegen das Chaos.
Du führst über das, was deine Mitarbeiter gut können, statt vor allem Fehler zu korrigieren. Entwicklungsthemen besprichst du so, dass klar wird, welche Stärke jemand dafür einsetzen kann. Das sorgt für mehr Verantwortung im Team und für Gespräche, aus denen keiner geknickt rausgeht.
Fang mit dem an, was im Alltag gut läuft, und mach es konkret sichtbar. Dann geht es um die Themen, an denen dein Mitarbeiter arbeiten will: Warum passiert etwas, welche Stärke hilft dabei, was braucht er von dir? Schließ mit einer konkreten Vereinbarung.
Ein Fragebogen, aus dem deine acht wichtigsten von insgesamt 24 Stärken hervorgehen. Wichtig ist, intuitiv zu antworten und vorher zu klären, in welcher Rolle du die Fragen beantwortest. Sonst passt das Ergebnis nicht zu dir.
Alles, was sich wiederholt: Eingangsrechnungen ablegen, Baustellenfotos zuordnen, Unterlagen an Monteure geben, Bautagebuch und wiederkehrende Termine wie Arbeitsunterweisung oder Führerscheinkontrolle. Ein Blick in deinen Kalender zeigt schnell, welche Aufgaben immer wieder auftauchen.
Sie sortiert Aufgaben nach wichtig und dringend in vier Felder. Wichtig und dringend machst du selbst, wichtig und nicht dringend planst du ein, der Rest wird delegiert, automatisiert oder gestrichen. Mit dem Team besprochen hilft sie auch dabei festzulegen, wer wann was eskalieren darf.
Mach zuerst eine ehrliche Bestandsaufnahme, zum Beispiel mit einem kurzen Kommunikations-Audit. Leite daraus wenige Faustregeln ab, auf die ihr euch als Team einigt, und häng sie sichtbar auf. Nach ein paar Wochen prüfst du mit dem gleichen Audit, was sich verändert hat.
"Bei Achim wusste ich gleich, dass ich viele gute Infos finde!"
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