Achim Maisenbacher

Führung im Handwerk: Warum ein Wort alles verändert

Ein Wort macht den Unterschied
Was passiert, wenn aus „Ich kann das nicht“ ein „noch nicht“ wird?

Im Haus, in dem wir unser Team-Retreat machen, steht unten ein Tischkicker. Ein Kollege verliert ein paar Runden, stellt den Ball ab und sagt: „Ich kann das nicht.“ Dann hört er auf. Bei mir läuft in dem Moment sofort ein anderer Satz ab – nicht wegen des Kickers, sondern wegen dem, was dieser Satz im Kopf anrichtet. Denn sobald er ausgesprochen ist, ist das Thema erledigt. Dabei fehlt ihm nur ein einziges Wort. Genau darum geht es hier: um zwei kleine Wörter, die aus einer Sackgasse wieder eine Landkarte machen – und darum, warum das in der Führung im Handwerk mehr bringt als jedes Motivationsseminar.

1. „Das kann ich nicht“: die Tür, die sofort zufällt

Der Satz ist bequem. Er kostet nichts, er tut nicht weh, und er beendet jede Diskussion – auch die mit sich selbst. Wer ihn sagt, nimmt den Weg des geringsten Widerstands: Schild hoch, dahinter verschanzen, fertig. Das passiert am Kicker genauso wie beim Aufmaß, beim neuen Werkzeug oder bei der Software, die seit drei Monaten im Betrieb liegt und niemand anfasst.

Ich mache sofort alle Türen zu, alle Schotten dicht, sage, kann ich nicht, meine ich nicht, will ich nicht, werde ich nicht tun.

Achim Maisenbacher

Ich merke das auch bei meinem Sohn. Elf Jahre alt, und der Satz sitzt schon locker. Ich habe vor vier Jahren angefangen, Klavier zu lernen. Hätte ich damals gesagt „Ich kann das nicht“, würde ich es heute nicht mehr tun. So einfach ist das.

2. Das kleine Wort „noch“: aus der Blockade wird eine Landkarte

Setz ein „noch“ hinein, und der Satz kippt: „Ich kann das noch nicht.“ Plötzlich ist es keine Aussage über dich mehr, sondern eine Frage. Nämlich die: Was fehlt eigentlich? Und darauf gibt es immer eine Antwort.

Was fehlt mir eigentlich? Zeit, Training, Information, die richtigen Partner, Geduld, das richtige Werkzeug, richtige Maßnahmen.

Achim Maisenbacher

Jede dieser Antworten ist ein Weg, den man gehen kann. Manche kosten Geld, manche nur eine halbe Stunde. Aber keine davon heißt „geht nicht“.

3. „Das geht nicht“ braucht ein „so“

Der zweite Satz ist der fachliche Bruder davon: „Das geht nicht. Kann man nicht machen. Funktioniert nicht.“ Auch hier fehlt nur ein Wort – diesmal ein „so“. „Das geht so nicht“ oder sogar „das geht so noch nicht“ macht die Tür wieder auf. Fehlt die Ausbildung? Die Kompetenz? Wurde der Experte gefragt? Wurde beim Hersteller angerufen – und dort der Richtige erreicht?

Es ist im Prinzip erstmal innerlich eine faule Ausrede.

Achim Maisenbacher

Es gibt unglaublich viele Lösungswege. Nur enden sie alle in der Sackgasse, wenn oben „geht nicht“ drübersteht.

4. Leise umformulieren: das eigentliche Führungsinstrument

Du musst das gar nicht laut aussprechen. Wenn du es laut sagst, formulierst du den Satz auch für den anderen um – das hilft meistens. Aber schon das leise Mitdenken reicht, um als Chef anders zu reagieren. Statt „okay, dann eben nicht“ läuft im Hinterkopf: Hat er das schon probiert? Und das? Und das getestet?

Meistens merkst du dann: Ein paar Wege sind schlicht noch nicht getestet worden. Dann ist die nächste Frage im Team keine Bewertung, sondern eine Einladung – lass uns mal fünf Wege überlegen, wie wir dieses „noch“ wegbekommen. Training, Erfahrung, Wissen, Ausdauer, Geduld, Disziplin. Irgendeiner davon ersetzt das „noch“ fast immer.

5. Anfänger und Experte sitzen im selben Betrieb

Genau dieser Satz fällt auch, wenn neue Software in den Betrieb kommt. Und er ist verständlich, denn niemand kann etwas beim ersten Mal so, wie es ein Profi machen würde.

Jeder ist doch bei irgendeinem Thema mal ein Anfänger. Jeder kann doch etwas nicht. Jeder macht irgendwas zum ersten Mal.

Achim Maisenbacher

Du hast bei dir im Betrieb einen Profi in der Finanzbuchhaltung, einen für CAD-Pläne, einen fürs Lager. Der weiß richtig viel, ist tief drin – die anderen nicht. Und trotzdem müssen die anderen an dieser Schnittstelle ab und zu arbeiten. Wer mal was ins Lager räumt, muss kein gelernter Lagerist sein.

Für uns als Softwarehersteller heißt das ein Spagat: leicht genug, dass man es auf der Baustelle sofort bedienen kann. Tief genug, dass ein Power-User damit richtig arbeiten kann. Deshalb stecken in MemoMeister an vielen Stellen Funktionen, die erst einem Profi auffallen – einen Anfänger würden sie schlicht überfordern.

6. Einer geht rein, das Team profitiert

Genau dafür gibt es den Macher-Mittwoch. Einmal im Monat, eine halbe Stunde. Du schickst jemanden aus deinem Betrieb rein, er schaut sich Funktionen an und trägt sie danach ins Team: schau mal, wenn du hier klickst und dann Shift hältst, hast du alles auf einmal markiert.

Beim Macher-Mittwoch #71 heißt das Thema „Mehr als die Basics“: schnelle Mehrfachselektion, der Window-Mode auf dem iPad, ein Bericht aus einer Mappe mit vielen Untermappen. Sachen, die ein Power-User sofort schätzt – und die ein Anfänger noch gar nicht vermisst.

Fazit: Führung im Handwerk fängt bei zwei Wörtern an

Du brauchst kein neues Führungsmodell, um morgen anders zu reagieren. Wenn beim nächsten Mal jemand „Das kann ich nicht“ oder „Das geht nicht“ sagt, setz die beiden Wörter rein – dieses „noch“ und dieses „so“. Zuerst bei dir selbst, dann laut im Team. Dann gehen die Lösungsräume wieder auf. Die ganze Folge dazu hörst du im Bauimpulse-Podcast.

Hör dir in dieser Woche einmal zu, wenn im Betrieb „geht nicht“ fällt – und frag nach, was konkret noch fehlt: Zeit, Training, Werkzeug oder der richtige Ansprechpartner.

Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet Umformulieren („Reframing“) in der Führung?

Du änderst einen Satz minimal und damit die Richtung, in die gedacht wird. Aus „Ich kann das nicht“ wird „Ich kann das noch nicht“. Das ist keine Schönfärberei, sondern eine Frage danach, was konkret fehlt.

Wie reagiere ich als Chef auf „Das geht nicht“?

Bau ein „so“ ein: „Das geht so nicht.“ Danach kommt die eigentliche Frage – wurde der Experte gefragt, der Hersteller angerufen, ein anderer Weg getestet? Meistens sind zwei, drei Wege schlicht noch offen.

Warum sagen Mitarbeiter bei neuer Software „Das kann ich nicht“?

Weil sie in dem Moment Anfänger sind – und niemand gern Anfänger ist. Fehlt Training oder Zeit zum Ausprobieren, ist „kann ich nicht“ der kürzeste Ausweg. Genau da hilft ein fester Termin, an dem jemand es ohne Druck lernt.

Wie bringe ich Software-Wissen ins ganze Team?

Schick einen rein, nicht alle. Einer lernt die Kniffe, zeigt sie danach den Kollegen am eigenen Projekt. So bleibt das Wissen nicht an einem Kopf hängen, und die Schwelle bleibt niedrig.

Was ist der Macher-Mittwoch?

Ein offener MemoMeister-Termin, einmal im Monat, rund eine halbe Stunde. Jede Ausgabe hat ein Thema – bei #71 sind es Funktionen jenseits der Basics für Power-User.

Für wen lohnt sich der Macher-Mittwoch #71?

Für jeden im Betrieb, der MemoMeister öfter als gelegentlich nutzt – und für den Chef, der will, dass die Kniffe danach im Team ankommen. Vorwissen brauchst du keins, Neugier reicht.

Hören auf:

Inhalt:

Noch mehr? Dann komm in Bauimpuls-Community

Für Chefs, die mehr gestalten und weniger verwalten

"Bei Achim wusste ich gleich, dass ich viele Gleichgesinnte treffe!"
Hans-Jörg Stöcker -  Wittmann Bau GmbH

„Durch das Anmelden bist du damit einverstanden, dass deine Angaben gemäß unserer Datenschutzerklärung verarbeitet werden.“

Social Media
Zum Podcast
Die Brücke zwischen Büro und Baustelle
Wenn Du das Gefühl hast, dass zwischen Büro und Baustelle zu viel hängenbleibt – dann lohnt sich das Reinhören.
→ Zur Podcast-Reihe
Bauimpulse-Community
Für Handwerker, die nicht im, sondern am Unternehmen arbeiten wollen.
→ Zur Community
Workshops
Neu
"Lerne an einem Nachmittag, wie dir Kunden durch Baudokumentation begeistert mehr Geld zahlen"
→ Zu den Workshops
Den Podcast gibt es überall wo es Podcasts gibt und hier...