Die Energiewende ist längst keine Vision mehr – sie ist Realität. Doch während über Windräder und Solarparks viel diskutiert wird, bleibt ein entscheidender Faktor oft unterbelichtet: der Energiespeicher. Nick Zippel, Umweltingenieur und Gründer mehrerer Energieunternehmen, zeigt in dieser Episode, wie aus vermeintlichem Industrie-Abfall profitable Geschäftsmodelle entstehen. Seine Firma NEXT (Next Additive Engineering) rettet Batterien aus der Automobilindustrie vor der thermischen Verwertung – oft Batterien, die nie ein Auto von innen gesehen haben. Mit diesem „Zero-Waste“-Ansatz baut Zippel hocheffiziente stationäre Speichersysteme, die sich in 3-6 Jahren amortisieren. Für Handwerksunternehmer, TGA-Firmen und Energiedienstleister eröffnen sich damit völlig neue Geschäftsfelder: von der Installation dezentraler Großspeicher über virtuelle Kraftwerke bis zur Sektorkopplung zwischen Mobilität und Gebäuden. Die Botschaft ist klar: Der Speicher ist der „Spielmacher der Zukunft“.
Vor sechs Jahren trafen sich drei Ingenieure mit einer gemeinsamen Vision: Nick Zippel, ausgebildeter Gas- und Wasserinstallateur und Umweltingenieur, sowie Marcel Rietzak und Henning Behn, beide aus dem Flugzeugbau bei Airbus. Ihre Idee war es, die Prinzipien des nachhaltigen Flugzeugbaus auf die Energiebranche zu übertragen. Das Ergebnis: NEXT Additive Engineering, ein Unternehmen, das sich auf die Aufarbeitung von Autobatterien spezialisiert hat. Die Ausgangslage war ernüchternd: Die Automobilindustrie ist eine der größten Industrien weltweit mit über 1,7 Milliarden Fahrzeugen – für eine Tonne Fahrzeug werden über 30 Tonnen Ressourcen benötigt. Gleichzeitig landen hochwertige Batterien in der thermischen Verwertung, nur weil sie aus Produktionsgründen aussortiert wurden. Zippel und sein Team erkannten das Potenzial: Diese „Zero-Waste-Speicher“ sind technisch einwandfrei und können in stationären Systemen ein zweites Leben erhalten. Heute fahren 20 umgerüstete Fahrzeuge (Ford Transit, VW Bulli T5/T6) als rollendes Testlabor durch Deutschland – mit insgesamt 1,5 MWh Speicherkapazität. Diese praktische Erprobung bildet die Basis für die Entwicklung kleiner, mittlerer und großer Speichersysteme.
„Wir retten die Speicher vor der thermischen Verwertung. Vollgepackt. Aber wegen eines Problems oder weil die Serie so weit sein sollte. Nicht einmal ins Management, nicht einmal durch die Tür der Fabrik.“
Die entscheidende Frage für jeden Unternehmer lautet: Rechnet sich das? Nick Zippel liefert klare Zahlen: Große Speichersysteme von 1-5 MW amortisieren sich in vielen Fällen innerhalb von 3-6 Jahren. Die Kosten liegen bei unter 300 Euro pro Kilowattstunde – ein Preisniveau, das durch die Verwendung aufgearbeiteter Batterien und Skaleneffekte möglich wird. Besonders interessant: Je größer der Speicher, desto wirtschaftlicher wird er. Während ein Heimspeicher mit hohem Installationsaufwand verbunden ist, können dezentrale Großspeicher für Wohngebiete, Industrieanlagen oder Biogasparks mit deutlich weniger Aufwand pro kWh realisiert werden. Zippel selbst hat in seinem 150-m²-Haus einen 54-kWh-Speicher installiert – eine Größe, die viele für überdimensioniert halten. Doch dieser Speicher erfüllt mehrere Funktionen: Er lädt das E-Auto, versorgt das Haus und dient gleichzeitig als virtuelles Kraftwerk im Netz. Die Mehrfachnutzung ist der Schlüssel zur Wirtschaftlichkeit. Für Handwerksbetriebe bedeutet dies: Mit weniger Montagestunden kann mehr Speicherkapazität installiert werden, was sowohl für den Kunden als auch für den Betrieb attraktiv ist.
Die politische Debatte um die Nord-Süd-Stromtrasse (Süd-Link) zeigt die Grenzen zentraler Infrastruktur-Lösungen. Nick Zippel vertritt eine andere Vision: dezentrale Energiespeicher als Alternative zu teuren Übertragungsnetzen. Seine Argumentation: Der Speicher ist der „Spielmacher der Zukunft“, weil er Strom dort verfügbar macht, wo er gebraucht wird – unabhängig davon, ob gerade Wind weht oder die Sonne scheint. Durch intelligente Vernetzung vieler kleiner und mittlerer Speicher entsteht ein resilientes System, das Deutschland unabhängiger von großen Übertragungsleitungen macht. Zippels Idealvorstellung: Eine Kombination aus 5-10 MW Großspeichern, 500-1000 kW mittleren Speichern und 30-100 kW kleinen Speichern, verteilt über ganz Deutschland. Diese Struktur würde nicht nur technisch funktionieren, sondern auch eine wirtschaftliche Umverteilung ermöglichen – weg von wenigen zentralen Kraftwerken hin zu vielen dezentralen „Tankstellenbetreibern“, die regenerativen Strom aus Sonne und Wind nutzen. Die Technologie ist vorhanden, die Wirtschaftlichkeit gegeben – was fehlt, sind schnellere Genehmigungsverfahren und der politische Wille zur konsequenten Dezentralisierung.
„Der Speicher ist der Spielmacher der Zukunft. Er speichert den Strom. Der Strom kann zur Sektorkopplung zwischen Autos, zwischen Mobilität und Immobilität genutzt werden. Er kann zum Händler werden.“
Was unterscheidet die Speichersysteme von NEXT von herkömmlichen Lösungen? Nick Zippel setzt auf Know-how aus dem Flugzeugbau: Seine Speicher sind nicht luftgekühlt, sondern verfügen über eine sogenannte Fluid-Wasserkühlung. Unter jedem Speicher befindet sich ein Betonblock mit 83% Recycling-Anteil, der als thermische Masse dient und sich je nach Jahreszeit selbst kühlt oder wärmt. Diese Bauweise macht die Systeme extrem robust und wetterfest – sie stehen im Freien und funktionieren ganzjährig zuverlässig. Ein weiterer Vorteil: Die Speicher sind inselfähig, können also auch bei Netzausfall autonom arbeiten. Die Ladeleistung reicht von 22 kW bei kleineren Systemen bis zu 250 kW bei Großspeichern. Besonders interessant für gewerbliche Anwendungen: Die Systeme können nicht nur Gebäude versorgen, sondern auch E-Fahrzeuge laden – echte Sektorkopplung in der Praxis. Durch das eigene Batteriemanagementsystem und Energiemanagementsystem, das aus der Erfahrung mit 20 umgerüsteten Fahrzeugen entstanden ist, hat NEXT die volle Kontrolle über Performance und Effizienz. Diese technologische Unabhängigkeit ist ein entscheidender Wettbewerbsvorteil.
Welche konkreten Geschäftschancen ergeben sich für Handwerksunternehmer? Nick Zippel sieht mehrere Ansatzpunkte: Erstens die Installation dezentraler Großspeicher in Wohngebieten, Gewerbegebieten oder bei Industriekunden. Durch die Skaleneffekte ist der Montageaufwand pro kWh deutlich geringer als bei Heimspeichern, was attraktive Margen ermöglicht. Zweitens die Kombination von Speichern mit bestehenden Anlagen – sei es Photovoltaik, Solarthermie, Wärmepumpen oder Kraft-Wärme-Kopplung. Zippels eigene Firma Saga und Deus, 2006 gegründet und heute mit 200 Mitarbeitern, zeigt, wie sich ein Handwerksbetrieb zum Energiedienstleister entwickeln kann. Drittens die Beteiligung an virtuellen Kraftwerken: Selbst kleinere Speicher können ins Netz eingebunden werden und zusätzliche Erlöse durch Regelenergie generieren. Viertens die Erschließung neuer Kundengruppen: Biogasanlagen, Solarparks, Windparks – überall dort, wo regenerativer Strom erzeugt wird, macht ein Speicher wirtschaftlich Sinn. Die Botschaft an Handwerksunternehmer: Es geht nicht nur um Installation, sondern um ganzheitliche Energiekonzepte, die technisch, wirtschaftlich und ökologisch überzeugen.
Ein besonders spannendes Konzept sind virtuelle Kraftwerke: Viele dezentrale Speicher werden über intelligente Software vernetzt und können gemeinsam wie ein großes Kraftwerk agieren. Nick Zippel berichtet von einem konkreten Projekt mit WeMark, einem grünen ostdeutschen Energieversorger, für den NEXT einen 8-MWh-Netzspeicher realisiert hat. Solche Großprojekte zeigen: Die Technologie ist marktreif, der Proof of Concept erbracht. Doch auch kleinere Einheiten können Teil eines virtuellen Kraftwerks werden – selbst Zippels privater 54-kWh-Speicher ist als virtuelles Kraftwerk eingebunden. Die Vision: Eine Kombination aus wenigen großen Speichern (5-20 MW), vielen mittleren Einheiten (500-1000 kW) und zahlreichen kleinen Systemen (30-100 kW), gesteuert durch KI und verteilt über ganz Deutschland. Diese Struktur würde maximale Resilienz bei gleichzeitiger Wirtschaftlichkeit bieten. Der regenerative Überschussstrom aus Wind und Sonne könnte optimal genutzt werden, Netzengpässe würden vermieden und die Abhängigkeit von fossilen Kraftwerken drastisch reduziert. Für Handwerksbetriebe bedeutet dies: Wer heute in Speichertechnologie investiert, positioniert sich für die Energieversorgung von morgen.
Nick Zippels Tipp für Handwerksunternehmer: „Denkt in Größenordnungen! Ein einzelner Heimspeicher ist nett, aber die wirkliche Wirtschaftlichkeit liegt in dezentralen Großspeichern für Wohngebiete, Gewerbegebiete oder Industrieanlagen. Mit weniger Montagestunden pro kWh könnt ihr mehr Speicherkapazität installieren und gleichzeitig attraktive Margen erzielen. Kombiniert das mit Sektorkopplung – Gebäude, E-Mobilität, virtuelle Kraftwerke – und ihr habt ein zukunftssicheres Geschäftsmodell.“
NEXT Additive Engineering: Das Unternehmen von Nick Zippel entwickelt und produziert nachhaltige Batteriespeichersysteme aus aufgearbeiteten Autobatterien. Standort: Seefeld bei Hamburg.
Saga und Deus: Die 2006 von Nick Zippel gegründete Firma ist heute ein Energiedienstleister mit rund 200 Mitarbeitern und bietet Lösungen von Solarthermie über Wärmepumpen bis zu Photovoltaik und Kraft-Wärme-Kopplung.
WeMark: Grüner ostdeutscher Energieversorger, der seit 15-20 Jahren mit Großspeichern arbeitet und als Referenzkunde für NEXT einen 8-MWh-Netzspeicher betreibt.
Kontakt zu Nick Zippel: Für Fragen zu Energiespeichern, Geschäftsmodellen oder Kooperationsmöglichkeiten können sich interessierte Handwerksunternehmer direkt an NEXT Additive Engineering wenden.
Du kannst als TGA-Firma oder Installationsbetrieb in die Installation und Wartung von dezentralen Speichersystemen einsteigen. Nick Zippel zeigt, dass große Speicher von 1-5 MW sich in 3-6 Jahren amortisieren und unter 300 Euro pro kWh kosten. Du könntest dich auf die Montage, Elektroinstallation und Wartung dieser Systeme spezialisieren und damit ein neues, zukunftssicheres Geschäftsfeld aufbauen.
Die Speicher nutzen innovative Fluid-Wasserkühlung mit recyceltem Betonblock und sind inselfähig. Das bedeutet, sie können unabhängig vom Stromnetz funktionieren. Die Systeme basieren auf Airbus-Technologie und verwenden gerettete Autobatterien, die nie in Fahrzeugen eingebaut wurden – das macht sie wirtschaftlich und nachhaltig zugleich.
Ja, absolut. Selbst kleinere 54-kWh-Speicher können als virtuelles Kraftwerk dienen und Einnahmen generieren. Du könntest solche Systeme bei Privathaushalten, Wohngebieten oder kleineren Industrieanlagen installieren. Durch Skaleneffekte und Schwarmkonzepte werden dezentrale Großspeicher für mehrere Gebäude besonders wirtschaftlich attraktiv.
Mehrere dezentrale Speicher werden zu einem virtuellen Kraftwerk vernetzt. Dein Speichersystem kann dann Strom ins Netz einspeisen und dafür Einnahmen generieren. Das ist besonders interessant für Wohngebiete oder Industrieanlagen. Du als Handwerker installierst die Systeme und profitierst von langfristigen Wartungsverträgen.
Next Additive Engineering rettet Batterien aus der Automobilindustrie, die nie verwendet wurden, aber aussortiert wurden. Diese Batterien sind günstiger und nachhaltiger als Neubatterien. Als Handwerksbetrieb kannst du diese kostengünstiger in Speichersysteme einbauen und damit deine Margen verbessern, während du gleichzeitig nachhaltig wirtschaftest.
Der Speicher ist der Spielmacher der Zukunft für die Energiewende. Wenn du dich jetzt als Installateur oder TGA-Firma auf dezentrale Energiespeicher spezialisierst, positionierst du dein Unternehmen für die nächsten 20-30 Jahre. Die Nachfrage wird massiv steigen, und du brauchst weniger Fachkräfte als früher – die Systeme sind effizienter und wirtschaftlicher.
"Bei Achim wusste ich gleich, dass ich viele Gleichgesinnte treffe!"
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