Um die Jahrtausendwende stand ein Stuckateurbetrieb im Remstal vor dem Aus. Über 20 Leute auf der Lohnliste, jahrzehntelang gute Arbeit – und dann gingen innerhalb kurzer Zeit die Bauträger pleite, für die man gearbeitet hatte. Dominik Schaile war damals sechs oder sieben und hat davon nichts mitbekommen. Seine Eltern standen mit dem Rücken zur Wand. Was sie dann entschieden haben, war ein Franchise im Handwerk. Heute führt Dominik den Betrieb mit seinem Vater, und aus dem Stuckateur ist ein Generalunternehmer für Altbaumodernisierung geworden. Wie das gelaufen ist – und was davon du ohne Franchise nachbauen kannst.
Dominiks Vater hatte den Betrieb Jahre vorher von seinem eigenen Chef abgekauft. Dort die Ausbildung gemacht, dort den Meister, dann übernommen. Ein reiner Stuckateurbetrieb, wie es tausende gibt. Und dann kam die Krise, und mit ihr die Frage, ob es überhaupt weitergeht.
In dieser Lage kam das Franchise ins Spiel. Die Entscheidung war schnell da – aus einem Grund, den Dominik heute lachend erzählt.
Entweder wir probieren das mit Franchise. Mehr wie schiefgehen kann es nicht – wir sind quasi schon pleite. Noch pleiter geht es nicht.
Dominik Schaile
2003 war der Beitritt durch. Dominik war zehn und hat nicht verstanden, was sich da gerade geändert hat. Rückblickend sagt er: Es war die richtige Entscheidung, heute geht es dem Betrieb deutlich besser als damals.
Vorher war die Sache klar. Bad kaputt, Installateur. Fassade dran, Stuckateur. Dach undicht, Dachdecker. Der Kunde muss selbst wissen, wen er braucht, und danach alle koordinieren. Genau davor drücken sich die meisten Eigenheimbesitzer.
Also drehte der Betrieb die Reihenfolge. Nach dem Konzept der Meister Modernisierer treten sie beim Kunden als Generalunternehmer auf: Planung, Genehmigungsverfahren, Förderungen, Ausführung, Koordination aller Gewerke, Bauleitung, Abnahme. Ein Ansprechpartner. 99 Prozent Privatkundschaft.
Wie die Leute reinkommen, ist völlig unterschiedlich. Manche rufen an, bevor sie ein Haus überhaupt gekauft haben: Komm mal mit zur Erstbesichtigung, sag uns, was möglich ist und was es kostet – davon machen wir die Kaufentscheidung abhängig. Andere haben schon alle Förderungen beantragt, waren beim Architekten, haben Pläne, und brauchen nur noch jemanden, der es macht. Und dann gibt es die halb fertigen Bäder, bei denen es mit dem Vorgänger nicht mehr gepasst hat.
Am Anfang steht immer ein Telefonat, 15 bis 20 Minuten. Dominik hört raus, was der Kunde vorhat – und ob das realistisch ist. Wer morgen fertig sein will, aber noch keine Förderung beantragt hat, kriegt an dieser Stelle schon den Zahn gezogen. Danach Termin vor Ort, Konzept, drei Angebotsvarianten von der Basisausstattung bis zum, wie Dominik es nennt, goldenen Wasserhahn. Dazu eine 3D-Visualisierung, damit der Kunde vorher sieht, wie es nachher aussieht.
Das Verkaufsargument ist der Festpreis. Angebotssumme gleich Rechnungssumme, alle Gewerke drin. Der Kunde weiß, was am Ende auf der Rechnung steht, und muss niemandem hinterhertelefonieren.
In der Sanierung ist das eine Ansage, denn hinter der Wand weiß niemand, was kommt. Letztes Jahr, zwei Wohnungen in einem Dreifamilienhaus: Der Installateur macht die Wand auf und findet die Heizungsrohre in Schlaufen rauf und runter verlegt. Rund 100 Meter Rohr liegen dort, wo nichts liegen müsste. Dominik kann es sich bis heute nicht erklären.
Da bleiben wir halt am Ende drauf sitzen, weil der Kunde hat die Festpreisgarantie. Also ist halt auch unser unternehmerisches Risiko.
Dominik Schaile
Deshalb passiert die eigentliche Arbeit vorher. Bei einem kompletten Haus fährt der Installateur mit raus und bietet die Heizungsanlage selbst an. Wenn eine Wand rauskommt, wird notfalls oben kurz aufgemacht: Läuft da ein Holzbalken drüber, ist die Wand tragend, braucht es einen Statiker? Alles, was man vorher sieht, kann man einkalkulieren. Was man nicht sieht, zahlt man selbst.
Bleibt die Frage, die bei dem Wort Franchise sofort kommt: Wie starr ist das? Ich bin selbstständig geworden, um frei zu sein, und dann sagt mir jemand, wann die Fritteuse piept.
Dominik sagt klar: Er ist immer noch selbstständig. Es gibt eine Mindestanforderung – man muss erkennen, dass er zur Marke gehört. Aber niemand schreibt ihm vor, wie viele Google Ads er schaltet. Was er bekommt, ist ein Pool: Anzeigengestaltung, Zeitungswerbung, Flyer, Homepage, Online-Marketing, regional angepasst, damit in Buxtehude nicht dasselbe hängt wie im Remstal. Läuft es gut, nutzt er nichts davon. Werden die Anfragen dünner, holt er sich eine Maßnahme raus.
Ich sage zu unseren Kunden immer: Lasst uns das machen, was wir gut können. Und so ist es beim Franchise auch.
Dominik Schaile
Dazu kommt Gebietsschutz. Selbst wenn ein Partnerbetrieb in der Nachbarschaft sitzt, darf er im eigenen Gebiet keine Kunden abgreifen. Und die Kosten sind ein Fixbetrag, nicht umsatzabhängig. Der Beitrag wächst also nicht mit, wenn das Jahr gut läuft – für die Rendite ist genau das der Unterschied zu dem, was die meisten im Kopf haben.
Zweimal im Jahr trifft sich die ganze Gruppe, meist irgendwo in Mitteldeutschland, weil es von überall erreichbar ist. Dazu gibt es eine regionale Runde Südwest: rund zehn Geschäftsführer, alle zwischen Ende 20 und Anfang 40. Einer will in drei Jahren übernehmen. Beim Nächsten ist der alte Chef schon gar nicht mehr da. Der Dritte führt seinen Betrieb lange genug, um sagen zu können, worauf es dabei ankommt.
Weil keiner um dieselben Kunden kämpft, redet man offen. Über Löhne, über Preissteigerungen, über Arbeitszeitbetrug, über Nachfolge. Dominik vergleicht das mit der Innung, wo über genau diese Themen eher mit vorgehaltener Hand gesprochen wird. Im Alltag läuft es über WhatsApp: Frage rein, Antwort raus – weil einer von den zehn das Problem garantiert schon hatte.
Dominiks Weg in den Betrieb war kein Plan. Nach der mittleren Reife fing er eine Ausbildung als Kfz-Mechatroniker bei Mercedes an – Fast and Furious hatte ihn angefixt, er wollte Motoren aufmachen und schrauben. Was er bekam, war Service A, Service B, Räderwechsel, Service A. Nach anderthalb Jahren saß er morgens beim Frühstück und sagte zu seinem Vater, er habe keine Lust mehr, er würde lieber bei ihm anfangen.
Antwort: „Ja, dann mach halt.“ Am nächsten Tag ging er zum Chef und brach die Ausbildung ab.
Dabei hat er seinen Vater genau so erlebt, wie es viele Handwerkerkinder beschreiben: nie Zeit, im Urlaub eine Woche später dazugekommen, nachmittags zehnmal am Telefon, weil irgendwo zwei Eimer Kies rumstehen. Er hat trotzdem übernommen – und dann genau den Punkt angefasst, der diese Erfahrung erzeugt.
Der klassische Handwerksbetrieb ist so aufgebaut: Der Chef steht in der Mitte, die Mitarbeiter stehen irgendwo außen rum. Alle fragen den Chef. Und du ziehst den Chef raus – dann wuseln alle bisschen rum und keiner weiß, was er zu tun hat.
Dominik Schaile
Heute sitzen Vater und Sohn oben, darunter der Bauleiter, der für die Mitarbeiter verantwortlich ist. Fachliche Fragen und Fragen zum Arbeitsablauf gehen zuerst an ihn. Erst wenn er nicht weiterkommt, kommt er nach oben. Nach Dominiks Einschätzung sortieren sich so rund 80 Prozent weg. Die Bürotür bleibt offen – wer ein Problem hat, ob im Betrieb oder privat, kommt jederzeit direkt.
Das Organigramm war der einfache Teil. Der schwere Teil stand um halb sieben auf dem Hof. Dominiks Vater hatte 20, 30 Jahre lang jeden Morgen selbst eingeteilt: wer fährt wohin, wer nimmt was mit. Und dann macht das plötzlich jemand anderes, und er steht daneben und sagt nichts. Dominik sagt, heute läuft es deutlich besser – am Anfang war es nicht einfach für seinen Vater.
Ja. Vier Dinge haben den Betrieb im Remstal gedreht: eine klare Position statt eines Gewerks, festgelegte Abläufe von der Anfrage bis zur Abnahme, ein Kreis Kollegen ohne Konkurrenzdruck und eine Führungsebene, die wirklich filtert. Ein Franchise liefert das als Paket – schneller, aber nicht als einziger Weg. Am Ende der Folge habe ich Dominik gefragt, was er seinem 23-jährigen Ich auf einen Zettel schreiben würde. Seine Antwort: erstmal das machen, worauf du Bock hast. Handwerk wird in den nächsten Jahren wichtiger, nicht unwichtiger.
Hör dir jetzt die Podcast-Episode mit Dominik Schaile an und teile sie, wenn sie dir gefallen hat!
Schreib eine Woche lang mit, welche Fragen dich erreichen, die jemand anderes hätte beantworten können. Das ist die Liste, mit der deine zweite Führungsebene anfängt.
Ein Franchise-System für Handwerksbetriebe, die als Generalunternehmer in der Altbaumodernisierung auftreten. Der Betrieb bleibt eigenständig, nutzt aber Marke, Konzept, Marketing-Pool und ein geschütztes Gebiet. Den Namen darf nur führen, wer selbst einen Meistertitel hat.
Das hängt vom System ab. Entscheidend ist, ob der Beitrag umsatzabhängig ist. Bei den Meister Modernisierern ist es ein Fixbetrag, den du einmal einplanst – deine Gewinne bleiben also vollständig bei dir, auch wenn du wächst.
Du bleibst Unternehmer. Es gibt Mindestanforderungen an den Marktauftritt, aber keine Vorschrift, welche Werbung du wann schaltest. Die Maßnahmen liegen als Pool bereit, du entscheidest, was du davon nutzt.
Ja, und das ist für viele der interessantere Weg. Planung, Kalkulation und Verkauf sind schon erledigt, du bekommst Zeichnungen mit allen Anschlüssen und die Visualisierung. Kein Vertriebsrisiko, und abgerechnet wird nicht mit dem Endkunden, sondern mit dem Modernisierer. Wenn dich das interessiert: Auf der Seite der Meister Modernisierer gibst du deine Postleitzahl ein und findest den Betrieb in deiner Region.
Fang mit einem klaren Weg für Fragen an: fachliche Themen gehen zuerst an den Bauleiter, erst dann an dich. Entscheidend ist die Konsequenz – wenn du morgens weiter selbst einteilst, nutzt niemand den neuen Weg.
Der Betrieb im Beispiel hat knapp zehn Leute, davon zwei Bauleiter und eine Bauzeichnerin. Sobald mehrere Baustellen parallel laufen und ein Kopf nicht mehr alles überblickt, wird eine Ebene dazwischen zum Thema – unabhängig davon, ob ein Franchise im Spiel ist.
"Bei Achim wusste ich gleich, dass ich viele Gleichgesinnte treffe!"
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