Ein stressiger Baualltag, dicke Luft im Büro und Frust auf der Baustelle – welche Führungskraft im Handwerk kennt das nicht? Wenn es im Betrieb hakt und die Mitarbeiter unzufrieden sind, wird die Schuld oft schnell bei den anderen gesucht. Doch ein altes Sprichwort bringt es schonungslos auf den Punkt: Der Fisch stinkt vom Kopf.
In der neuesten Folge des „Bauimpulse“-Podcasts hat sich Host Achim Meisenbacher einen besonderen Gast an den Tisch geholt: Hajo Michels, Host des Podcasts „Die Integrität ist meine Superpower“. Gemeinsam werfen die beiden einen Blick über den Tellerrand des klassischen Handwerks direkt auf den eigenen Teller. Das Thema: Warum Stress und Burnout im Chefzimmer beginnen, warum die gängige „Selbstoptimierung“ uns krank macht und wie wir durch echte Selbstfürsorge das Ruder wieder herumreißen können.
Wir leben in einer Gesellschaft, in der die Optimierung des eigenen Ichs fast schon zum Volkssport geworden ist. Social Media lebt es uns jeden Tag vor : Noch fitter werden, noch gesünder essen, noch produktiver arbeiten. Sogar Yoga, Meditation oder das akribisch geplante Morgenritual mutieren schnell zu einem weiteren Punkt auf der To-do-Liste, den es perfekt abzuhaken gilt.
Hajo Michels warnt im Podcast eindringlich vor dieser Entwicklung : „Viele Leute empfinden sich mittlerweile selbst als Produkt.“ Wer sich jedoch ununterbrochen nur selbst optimiert, signalisiert sich innerlich ständig das Gleiche: So wie ich jetzt bin, bin ich nicht gut genug. Das erzeugt chronischen Druck. Wahre Selbstfürsorge hat nichts mit Optimierung zu tun – sie bedeutet, sich selbst etwas Gutes zu tun, ohne dabei direkt ein neues Leistungsziel vor Augen zu haben.
Um zu verstehen, warum viele Führungskräfte dauerhaft am Limit laufen, hilft ein Blick in unsere Evolution und die menschliche Biochemie. Unser vegetatives Nervensystem hat eine Kernaufgabe: Es scannt die Umgebung permanent nach der Frage ab: Bin ich sicher?
Vor Jahrtausenden war die Bedrohung der Säbelzahntiger. Ist er aufgetaucht, schaltete der Körper blitzschnell in den Überlebensmodus: Kampf, Flucht oder Totstellen (Freeze). Das Problem im Jahr 2026? Der Säbelzahntiger von heute heißt nicht mehr Wildtier, sondern:
Sobald wir uns durch diese alltäglichen Faktoren bedroht fühlen, schüttet der Körper Stresshormone aus. Im Überlebensmodus ist unsere Wahrnehmung extrem eingeschränkt – wir können gar nicht mehr aus unserem vollen Repertoire schöpfen oder smarte, durchdachte Entscheidungen treffen. Schlimmer noch: Da dieser hormonelle Stress im modernen Alltag selten durch körperliche Muskelkraft abgebaut wird, stecken wir schnell in einer dauerhaften biochemischen Stressschleife fest.
Wenn der Fisch also vom Kopf her stinkt, bedeutet das im Umkehrschluss: Ein reguliertes Unternehmen braucht eine regulierte Führungskraft. Wenn du als Chef gestresst, dünnhäutig und im Überlebensmodus bist, überträgt sich diese dysregulierte Energie unweigerlich auf dein gesamtes Team.
Wie kommt man da raus? Hajo Michels teilt im Gespräch ein paar denkbar einfache, biologische Sofort-Tipps, die das Nervensystem wieder in die Sicherheit holen:
Der Weg aus dem permanenten Hamsterrad beginnt mit der Erkenntnis, dass wir nicht die ganze Welt an unsere Vorstellungen anpassen können – das sorgt nur für noch mehr Frust. Es kommt darauf an, wie wir im Alltag auf die unvermeintlichen Soll-Ist-Abweichungen reagieren.
Das Leben besteht aus tausenden kleinen Mikro-Entscheidungen. Wenn etwas auf der Baustelle schiefgeht, entscheide dich bewusst gegen den sofortigen „Säbelzahn-Tiger-Modus“. Such nicht sofort panisch nach dem Schuldigen, sondern atme durch, reguliere dich und fokussiere dich erst mal sachlich auf die Lösung.
Denn nur wer sich selbst sicher führt, kann auch andere sicher führen.
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Hinweis: Dies war der erste Teil unserer Doppelfolge. Nächste Woche geht es nahtlos weiter mit den Themen „Flow, Resonanz“ und wie wir die „losen Enden“ unseres Alltags endlich erfolgreich abschließen!
"Bei Achim wusste ich gleich, dass ich viele Gleichgesinnte treffe!"
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