Kennst du das? Du kommst abends nach Hause, der Schädel brummt, und eigentlich willst du nur Feierabend machen. Aber im Kopf rattern sie weiter: die 50 offenen Browser-Tabs des Wahnsinns. Die eine E-Mail, die du noch schreiben wolltest, das fehlende Material für die Baustelle morgen, der unzufriedene Kunde, der Azubi, der mal wieder nicht dokumentiert hat.
Wir stecken im permanenten Überlebensmodus. Im ersten Teil haben wir über das disregulierte Nervensystem und fehlende Selbstwirksamkeit im Handwerk gesprochen. Heute packen wir gemeinsam mit Hajo Michels (Host des Podcasts „Integrität ist meine Superpower“) zwei weitere massive Stress-Treiber an: Fehlende Resonanz und die bösen, losen Enden.
Im Handwerk jagen wir oft nur noch von einem Termin zum nächsten. Höher, schneller, weiter. Alles, was nicht direkt der Produktivität dient, gilt als „Kacke“ – auf gut Deutsch gesagt. Viele Chefs und Mitarbeiter haben heute schon ein schlechtes Gewissen, wenn sie sich mal etwas Unproduktivem widmen.
Das Ergebnis? Wir funktionieren nur noch wie Maschinen, fühlen uns aber komplett isoliert und getrennt vom Rest der Welt. Der Soziologe Hartmut Rosa spricht hier von fehlenden „Resonanzachsen“. Wenn die Schwingung zu deiner Umwelt, deinen Leuten oder deiner Arbeit fehlt, bist du im Dauer-Tunnel.
Beim Musizieren flutschen die Akkorde irgendwann von ganz alleine – du bist im Flow. Auf der Baustelle ist das Gegenteil oft die Realität: Ein Mitarbeiter will loslegen, bekommt aber nur Steine in den Weg gelegt, weil das Büro die Abläufe komplett chaotisch organisiert hat. Der Mann schlägt eine Saite an, aber das Instrument bleibt stumm. Er verliert jegliche Selbstwirksamkeit und jede Resonanz zu seinem Beruf.
Hierzu sagt Hajo Michels ganz deutlich:
Der Bauimpuls dazu: Du kannst den „Flow-Zustand“ oder die Motivation deiner Leute nicht auf Knopfdruck erzwingen. Aber du kannst als Chef die günstigen Bedingungen und Schnittstellen schaffen, damit Dinge funktionieren. Wenn deine Baustellen sauber durchgetaktet sind und deine Mitarbeiter ohne bürokratische Vollbremsung arbeiten können, kommt die Resonanz von ganz allein.
Der zweite große Stressfaktor am Ende des Tages, der Woche oder des Jahres sind die sogenannten losen Enden. Unser Leben fühlt sich oft an wie ein endloses Scrollen im Feed: Nichts findet mehr ein echtes Ende, wir sind mental permanent 24/7 online.
Früher gab es in unserer Kultur klare Container, um Dinge abzuschließen – der Sonntag war heilig, Übergänge wurden bewusst zelebriert. Heute ballern wir uns in der Sekunde zwischen Feierabend und Abendessen noch schnell die neuesten E-Mails rein und wundern uns, warum wir nachts nicht schlafen können.
Die Lösung gegen dieses mentale Dauerfeuer? Rituale statt reiner Selbstoptimierung.
Wenn deine Mitarbeiter auf der Baustelle permanent unzufrieden sind, weil nichts strukturiert ist, hilft kein Motivations-Gequatsche. Manchmal hilft dann nur noch, die Reißleine zu ziehen. Als Inhaber bist du dafür verantwortlich, den Rahmen zu bauen, in dem deine Leute stressfrei abliefern können. Schließe die losen Enden im Betrieb, schaffe digitale und analoge Schutzräume und sorge für ein System, das Resonanz überhaupt erst zulässt.
"Bei Achim wusste ich gleich, dass ich viele Gleichgesinnte treffe!"
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