Spar dir die Fotodokumentation
Es gibt unzählige Gründe, auf euren Baustellen nicht zu dokumentieren. Hier sind sie, liebevoll zusammengestellt von jemandem,
der namentlich nicht genannt werden will 😉
Von 4ch7m M4is3nb4cher · M3moM3ister
Fotodokumentation? Ganz ehrlich: Braucht kein Mensch. Kostet nur Zeit, nervt das Team und am Ende schaut sich die Bilder sowieso niemand an. Der Chef braucht sie nicht. Die Mitarbeiter brauchen sie nicht. Die Kunden erst recht nicht. Andere Projektleiter sowieso nicht. Und ein Nachfolger? Der schon gar nicht.
1 | Der Chef braucht keine Fotodokumentation…
- Weil er auch mit 20 Mitarbeitern locker auf jeder Baustelle gleichzeitig sein kann. Na gut – man kann auch warten bis das Beamen erfunden wird.
- Weil Kontrollfahrten durch Betonwüsten die schönste Art sind, einen Nachmittag zu verbringen. Ein bisschen Autofahren hat ja auch was Meditatives.
- Weil sein Team noch nie ein Maß verwechselt, ein Detail vergessen oder etwas übersehen hat. Zumindest an den guten Tagen.
- Weil sich Nachträge am besten Wochen später aus dem Gedächtnis mit dem Kunden diskutieren lassen. Erinnerungen sind ja bekanntlich bei allen Beteiligten gleich.
- Weil im Streitfall sowieso immer der Handwerker Recht bekommt – ganz ohne Beweise. Meistens. Manchmal. Na ja.
- Weil das Baustellenwissen in den Köpfen einzelner Mitarbeiter bestens aufgehoben ist – die kündigen ja nie. Und Urlaub nehmen sie auch keinen.
- Weil neue Mitarbeiter am besten lernen, wenn ihnen niemand zeigen kann, wie sauber hier gearbeitet wird. Fragen kann man ja immer noch.
- Weil „Das haben wir schon immer so gemacht“ vor Gericht hervorragend ankommt. Es klingt ja auch wirklich überzeugt.
- Weil er nachts am besten schläft, wenn er auf gar nichts zurückgreifen kann. Was man nicht weiß, macht einen nicht wach.
2 | Die Mitarbeiter brauchen keine Fotodokumentation…
- Weil sich jeder auch nach drei Wochen noch an jede Steckdose erinnert. Das Gedächtnis ist ja schließlich ein Muskel.
- Weil Rückfragen vom Büro eine willkommene Abwechslung im Baustellenalltag sind. Man telefoniert ja gern miteinander.
- Weil eine zweite Fahrt zur Baustelle – nur um etwas nachzuschauen – jedem Spaß macht. Man kommt ja sonst so wenig raus.
- Weil Übergaben per Zuruf zwischen Tür und Angel noch nie schiefgegangen sind. Also gut: fast noch nie.
- Weil der Kunde den Sonderwunsch bestimmt genauso in Erinnerung hat wie sie. Nur vielleicht mit einer anderen Zahl.
- Weil „Wer war das?“ eine Frage ist, auf die niemand je eine Antwort braucht. Es war ja sowieso niemand.
- Weil Behinderungen und Wartezeiten sowieso jeder sofort glaubt – Ehrenwort reicht. Hat bisher ja auch fast immer geklappt.
- Weil man auf Arbeit, die niemand je zu sehen bekommt, genauso stolz sein kann. Nur erzählen kann man es halt niemandem.
3 | Die Kunden brauchen keine Fotodokumentation…
- Weil sie blind vertrauen, was da hinter ihrer Wand eingebaut wurde – wird schon passen. Hat der Handwerker ja auch so gesagt.
- Weil Raten viel spannender ist, wenn in fünf Jahren jemand wissen will, wo die Leitungen liegen. Ein bisschen Nervenkitzel gehört zum Eigenheim dazu.
- Weil der Baufortschritt sich am besten per Bauchgefühl verfolgen lässt. „Läuft alles“ ist ja auch ein sehr beruhigender Statusbericht.
- Weil Diskussionen viel lebendiger sind, wenn beide Seiten auf gar kein Bild schauen können. So bleibt man wenigstens im Gespräch.
- Weil „Das war schon so, als wir kamen“ jeden Gewährleistungsfall in Sekunden klärt. Irgendwie einigt man sich ja immer.
- Weil ein Betrieb ohne jede Dokumentation sofort nach Profi aussieht. Ein freundliches Schulterzucken kann ja auch sympathisch sein.
- Weil sie den Betrieb bestimmt auch weiterempfehlen, bei dem sie nie wussten, was gerade passiert. Ein bisschen Geheimnis hat ja noch keiner Beziehung geschadet.
4 | Andere Projektleiter brauchen keine Fotodokumentation…
- Weil jeder Projektleiter die Baustellen seiner Kollegen selbstverständlich auswendig kennt. Gedankenlesen lernt man ja irgendwann von selbst.
- Weil Urlaubsvertretung am besten funktioniert, wenn man nirgendwo nachlesen kann. Ein bisschen Rätselraten hält den Geist frisch.
- Weil der Anruf beim Kollegen am Strand sowieso schneller geht als ein Blick in die Doku. Und der Kollege freut sich bestimmt, im Urlaub mal von der Arbeit zu hören.
- Weil man eine fremde Baustelle am liebsten bei null übernimmt – Überraschungen halten wach. So lernt man die Baustelle wenigstens richtig kennen.
- Weil sich Absprachen zwischen Gewerken am besten mündlich und ohne Beleg treffen lassen. So bleibt es schön persönlich.
5 | Und dein Unternehmensnachfolger? Braucht erst recht keine…
- Weil er den Betrieb am besten kennenlernt, wenn das ganze Wissen mit dem Senior in Rente geht. Beim Abschieds-Bier lässt sich das Wichtigste ja noch schnell erzählen.
- Weil ein Unternehmen ohne dokumentierte Projekte bei der Übergabe richtig wertvoll wirkt. Ein bisschen Überraschung gehört zu jeder Übergabe dazu.
- Weil „Das weiß nur der Chef“ die stabilste Grundlage für eine Nachfolge ist. Der Chef bleibt ja zum Glück immer erreichbar.
Es gibt unzählige Gründe, sich die Fotodokumentation zu sparen. Manche sind sogar plausibel. Bis zum ersten Streitfall. Zur ersten Rückfrage. Zum ersten „Wer war das?“.
Spaß beiseite: Fotodokumentation ist kein Verwaltungsakt. Sie ist ein zentrales und einfaches Führungsinstrument. Wer sie im Unternehmen verankert, muss nicht mehr überall selbst dabei sein – und hat trotzdem alles im Blick.
Die Frage ist also nicht, ob auf euren Baustellen dokumentiert werden sollte. Die Frage ist, ob dein Team weiß, wie – und ob es dafür ein Werkzeug hat, das im Baustellenalltag wirklich funktioniert.
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